· 

Die Basilika in Mafra – Museum der Settecentoskulptur

Iris Haist

 

Wer hat nicht schon viel von Lissabon gehört und war vielleicht auch schon dort? Man isst Bacalhau und genießt den Vinho do Porto und hat meistens keine Ahnung, dass sich nur 40 km landeinwärts eine weitere Besonderheit verbirgt: Der Palácio Nacional de Mafra. Der Palastkomplex, der u.a. ein Museum beherbergt, wurde mit einem Seitenblick auf den El Escorial in Madrid gebaut und übertrifft das Vorbild sogar noch um einige Meter Länge.

 

Vive l’Italia!

König Johann V. von Portugal ließ das monumentale Bauwerk errichten – aus Dank für die Geburt des ersten Sohnes und Thronfolgers. Ich will ja nicht sagen, dass diese Maßnahme leicht übertrieben war, aber meine Eltern haben meines Wissens nichts Ähnliches in die Wege geleitet… 

Baumeister, also der Architekt der Barockzeit, João Frederico Ludovice, kam aus Crailsheim in Baden-Württemberg und hieß eigentlich Johann Friedrich Ludwig. Wer jetzt denkt: Auch damals schon wurde deutsche Wertarbeit geschätzt, der irrt sich. Ludwig ging schon früh für seine Ausbildung nach Italien und es war die Kunst und Architektur Roms, die vom Portugiesischen König geliebt wurde.

Ich kann ihn da gut verstehen, denn mir geht es ganz genauso. Zumindest, was das 17. und 18. Jahrhundert angeht. Grundsteinlegung war 1717, also genau in meiner Lieblingsepoche – zwei Jahre nach dem Tod des Sonnenkönigs Ludwig XIV. von Frankreich und dem Ende des Spanischen Erbfolgekrieges. Der neu erlangte Friede und das Gold aus Brasilien ermöglichten erst diesen teuren, imposanten Bau.



 

Rei muito Romano

Das erste Mal nach Mafra fuhr ich allerdings weder wegen des Palastes, noch wegen des darin erhaltenen Klosters oder der wirklich wunderschönen Bibliothek, sondern wegen eines Ausstattungsfeatures der dazugehörigen Basilika: Johann V. hatte nicht weniger als 58 überlebensgroße bis monumentale Marmorskulpturen für die Dekoration von Fassade und Innenraum anfertigen lassen.

Und als ob das nicht schon unglaublich genug wäre: Er hat diese Skulpturen – ich wiederhole 58 Stück! – nicht nebenan in Lissabon bestellt, sondern bei den bekanntesten italienischen Bildhauern in Italien, besonders in Rom, und per Schiff und Karren nach Mafra bringen lassen. Kein Wunder, dass man ihn damals schon den „Rei muito Romano“ – den „äußerst römischen König“ nannte.

 

Pantheon der Heiligen

Dargestellt sind, abgesehen von vier Engeln, die verschiedensten Heiligen der katholischen Kirche, ohne eine bemerkenswerte Bevorzugung der Franziskanerheiligen, für die das Kloster ja ursprünglich einmal geplant war. Neben den Evangelisten und den Aposteln, sind auch Kirchenväter und Märtyrer vertreten.

Die beeindruckendste Figur ist wohl die Statue des Hl. Bartholomäus, der seine eigene Haut in den Händen hält. Schrecken und Schönheit der Steinbearbeitung mischen sich hier auf seltsame Weise und zeigen eine Ästhetik des Makaberen.

Meine Lieblingsheilige, die Hl. Rita von Cascia, ist ebenfalls mit von der Partie. Wer bisher nichts von ihr gehört hat: Es wird Zeit! Denn als Heilige für die Dinge, die unmöglich scheinen, kann sie sicher jeder von uns ab und an mal gut gebrauchen. Ich hätte jedenfalls nichts gegen ein kleines Wunder einzuwenden.

 

 

Museum der Barockskulptur

Wer schon einmal von den ganzen Skulpturen im Petersdom beeindruckt war, der sollte unbedingt einmal die Reise nach Mafra antreten. Denn während im Innenraum der Peterskirche im Zeitraum zwischen 1707 und 1956 39 Statuen installiert wurden, zählt man in der Palastbasilika von Mafra alleine im Innenraum 40 Statuen, die in nur drei Jahren (!) entstanden.

Ein Rundgang in der portugiesischen Kirche entführt den Besucher demnach in die Zeit des Spätbarock und schult das Auge besser als jeder andere Ort in der Stilistik und Form der Italienischen Skulptur des 18. Jahrhunderts. Zwei dieser Skulpturen sind natürlich auch von Pietro Bracci, von „meinem“ Bildhauer.

 

Falls ihr also noch ein Reiseziel gesucht habt – hier ist mein Tipp!

 

 

Impressionen

 

 

Literaturempfehlung in eigener Sache:

 

Haist, Iris, ‘The Marbles and the Modelli of Mafra—John V and the Taste for Italian Baroque Sculpture’, in: Diez del Corral Corredoira, Pilar (Hrsg.): La fississima regia volontà: John V and his Roman dream. Studies in Eighteenth-Century Art and Music, Oxford University Studies in the Enlightenment, in Produktion.

 

 

 

Verortung

Palácio Nacional de Mafra

 

 

Inhalte von Google Maps werden aufgrund deiner aktuellen Cookie-Einstellungen nicht angezeigt. Klicke auf die Cookie-Richtlinie (Funktionell), um den Cookie-Richtlinien von Google Maps zuzustimmen und den Inhalt anzusehen. Mehr dazu erfährst du in der Google Maps Datenschutzerklärung.

 

Alle Fotos in diesem Beitrag ©Iris Haist

Kommentar schreiben

Kommentare: 0