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Der Sacro Bosco in Bomarzo oder: Was verbindet Dornröschen und Dalì?

Iris Haist

 

In diesem Beitrag möchte ich euch von einem Ausflug erzählen, der sich wie eine Reise in eine andere Welt anfühlte. Vor einigen Jahren lebte ich in Rom und an einem sonnigen Tag hieß es dann: Auf nach Bomarzo in den Sacro Bosco (Heiliger Wald), der auch – und das ist eigentlich auch passender – Parco dei Mostri (Park der Ungeheuer) genannt wird!


 

Magischer Flecken Erde

Der Sacro Bosco ist tatsächlich eine Mischung aus beiden Bezeichnungen, denn es handelt sich um einen parkähnlich angelegten und sehr gepflegten Grundbesitz mit vielen Bäumen und kleinen Bächen. An jeder Ecke und hinter beinahe jedem Busch verbergen sich verwitterte manieristische Steinskulpturen, die sowohl gruselig als auch magisch sind. Als Erholung von dem Dauerlärm der Großstadt ist das eine Erholung für Körper und Seele.

Und doch spaziert man nicht dumpf durch die Gegend, denn es gibt viel zu sehen: Riesen, Monster, Schlangen, Elefanten und Figuren aus der altgriechischen Mythologie, um nur einige Motive zu nennen. Man fühlt sich in eine andere Zeit versetzt, in der aller Alltagsstress vergessen ist. Ein Highlight ist ein schiefes Haus, die Casa Pendente, in das man auch hineinklettern und seine eigene Perspektive überdenken kann.

 

 

Alles aus Liebe… oder nicht?

Auftraggeber für diesen herrlichen Ort war Vicino Orsini. Mehr als dreißig Jahre dauerte das Skulpturenpark-Projekt an, für das er Pirro Ligorio und Giacomo Barozzi da Vignola anheuerte. Er widmete den magischen Ort seiner verstorbenen Ehefrau Giulia Farnese und ließ damit eiche höchst persönliche Komponente mit hineinfließen.

Ob es tatsächlich romantisch ist, seiner Frau einen Park zu errichten, in dem man sich als Neuling schon ab und an erschreckt, angesichts der doch häufig grausamen Darstellungen von Kämpfen zwischen Riesen und sich gegenseitig angreifenden Kreaturen, muss wohl jeder für sich entscheiden. Mir würde es wohl gefallen, einen verzauberten Skulpturenwald gewidmet zu bekommen. Also los Christian, leg dich ins Zeug!

 


 

Cinderella und der 100jährige Schlaf

Im Jahr 1585 starb schließlich auch Vicinio Orsini und, kaum vorstellbar, der Park wurde vergessen und fiel in einen Jahrhunderte währenden Dornröschenschlaf. Das ist schon wieder so poetisch, dass es schon wieder konstruiert klingt. Doch es war wirklich so.

Erst im 20. Jahrhundert wurde der Park wiederentdeckt, von einem Ehepaar privat gekauft, gründlich saniert und die Anlage wieder ohne Gefahr für Leib und Leben zugänglich gemacht. Der erste prominente Besucher war Salvador Dalì, was angesichts der oft abtraumhaften Landschaften und Szenerien in seinen Gemälden nicht sonderlich überrascht.

 

Einfach hinfahren!

Es gäbe noch viel zu beschreiben und zu erzählen, doch die ganz besondere Atmosphäre des Sacro Bosco muss man eigenen Leib erfahren werden. Wenn ihr also mal wieder in Lazio unterwegs seid oder noch ein Ziel für einen schönen Italienurlaub sucht: Dieser Ort ist es wirklich wert!

 

Impressionen


 

Alle Fotos in diesem Beitrag © Iris Haist

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