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Neujahrsgrüße mal anders: „Das rosa Schwein“ von Porsche

 

Von Iris Haist

 

 

In Italien beginnt man das neue Jahr traditionell mit dem Verzehr eines Zampone – eines gekochten Schweinefußes. Er soll für Wohlstand sorgen. ArtTwo beginnt das Jahr 2018 mit einer kleinen Kunst- bzw. Designgeschichte zu einem etwas anderen Schwein: zum Porsche 917/20 Coupé, liebevoll genannt „Das rosa Schwein“.

 

 

Konstruiert wurde der Wagen für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Jahr 1971. Während des Qualifikationsrennens präsentierte sich das sehr breite und etwas unförmige Porsche-Gefährt noch in „unschuldigem“ Weiß und bekam den Spitznamen „Dicke Berta“. Damals fiel der Rennwagen vor allem durch seine gute Zeit trotz Pannen auf. Das änderte sich jedoch spätestens am Tag des offiziellen Rennens: Anstelle eines weißen Rennwagens stand an der Startlinie plötzlich ein in kräftigem Rosa lackiertes Auto mit eingezeichneten Filetstücken mit Beschriftung der entsprechenden Teile eines Schweins. Rainer Braun berichtet im zweiten Band seiner Buchreihe Hallo Fahrerlager von äußerst abschätzigen Pressestimmen, unter anderem fiel das Statement: „Das Auto ist so hässlich, dass schon das Hingucken weh tut.“

 

 

Um die Entstehung dieses doch recht eigentümlichen Designs ranken sich mittlerweile verschiedene Legenden. Laut dem Audioguide des Porsche-Museums soll die während der Qualifikation aufgekommene Äußerung im Porsche-Lager: „Sieht aus wie ein fettes Schwein“ dazu geführt haben, dass man diese Sticheleien beim Wort nahm und das Rennauto in einer spontanen Aktion rosa lackierte. Braun berichtet, das Design sei extra als spaßiges Feature erdacht worden, um das „Hippie-Design“ mit grünen und lilafarbenen Kleksen aus dem Vorjahr zu übertrumpfen. Anderen Berichten zufolge soll Designchef Anatole Lapine (1930-2012) bei der Konstruktion des Wagens selbst wegen der geringen Zeitspanne für die Entwicklung nicht mit einbezogen worden sein und soll daraufhin die „Schweine-Lackierung“ im Stillen angeordnet haben. Die Firmenchefs wurden dann vom Ergebnis überrumpelt und es blieb keine Zeit für Änderungen.

 

 

Doch egal, wie es genau vonstatten ging: Das Design hatte 1971 strikte Gegner. Unter anderem soll sich das Gastgeberland echauffiert haben, wie gerade die Deutschen mit einem „Schwein“ antreten können. Eine weitere Legende besagt, Pilot Joest Reinhold habe nach dem vorzeitigen Aus an der Leitplanke per Funk an die Porsche-Box gemeldet: „Die Sau ist tot.“ Eine nette Anekdote, die aber aus rein technischen Gründen nie stattgefunden hat: Die Rennwagen waren damals noch nicht mit Funk ausgestattet.

 

In der Zwischenzeit avancierte „Das rosa Schwein“ zu einem der meistfotografierten Modelle im Porsche-Museum Zuffenhausen und wurde damit zu einer Art Design-Legende. Und tatsächlich: Selbst, wenn es nicht gefällt, die Besucher bleiben stehen, sprechen darüber, lachen und – wie sollte es anders sein – schießen Fotos. Anatole Lapine hatte in dieser Sache letztlich doch wieder einmal das richtige Gespür.

Damit ende ich hier und wünsche allen Lesern ein frohes neues Jahr!

 

Technische Daten zum Porsche 917/20 Coupé

 

  • Baujahr: 1971
  • Motor: 12-Zyl. 180° V
  • Hubraum: 4907 ccm
  • Höchstgeschwindigkeit: 360 km/h

 

(Quelle: Porsche-Museum Zuffenhausen)

alle Fotos von Iris Haist

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