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Gräber, Grün & Stadtgeschichte - Der Melaten-Friedhof in Köln

Iris Haist

 

Seit November letzten Jahres lebe ich nun in der Nähe von Köln und lerne diese unglaubliche Stadt erst nach und nach kennen. Glück für mich, dass meine neue Nachbarin nicht nur ein Sportjunkie, sondern vor allem ein absoluter Geschichtsfan ist und mir so immer wieder tolle Ausflugstipps geben kann.

 

Auf Goethes Spuren

 

Bei ihrer ersten Empfehlung habe ich allerdings erst einmal an ihrer Urteilsfähigkeit gezweifelt, denn sie schickte mich nicht in den Dom oder in eines der vielen großartigen Museen hier, sondern auf den Friedhof! Ja, ungefähr so habe ich auch erstmal geschaut. Bei näheren Erläuterungen fühlte ich mich aber an den "Cimitero Acattolico" (ita. "Nicht-katholischer Friedhof") in Rom erinnert – und dadurch auf den Spuren Goethes – und nahm ihre Empfehlung gerne an. Da der älteste (noch unterhaltene) der Kölner Friedhöfe – der Melaten-Friedhof – tatsächlich einen Bericht wert ist, nehme ich euch jetzt einmal dahin mit.

 

 

Napoleon & der "hoff to Melaten"

 

Rom kam mir als Vergleich in den Sinn, da ich die italienische Hauptstadt gut kenne. Tatsächlich diente aber der Pariser Friedhof Père Lachaise als Vorbild für die Gesamtanlage. Dies liegt vor allem deshalb nahe, da der Friedhof in der heutigen Form während der französischen Besatzung, direkt nach dem am 12. Juni 1804 von Napoleon Bonaparte erlassenen "Dekret über die Begräbnisse" in Planung ging.

 

Der Name "Melaten" ist dagegen schon etwas älter: Er wurde vom seit dem 12. Jahrhundert an dieser Stelle betriebenen Heim für Kranke und Aussätzige, dem „hoff to Malaten“, übernommen. Die  Gebäude des Leprosenheims wurden teilweise mit in den neu entstandenen Friedhof integriert. Die Kapelle des Heims wurde wie große Teile Kölns im Zweiten Weltkrieg zerstört und einige Jahre später in vereinfachter Form wiederaufgebaut.

 

 

Park & Kunst als Ausgangspunkt

 

Der Melaten-Friedhof ist wie eine Parkanlage gestaltet, mit viel Grünbepflanzung und teilweise regelrecht pompösen Gräbern, Grüften und Grabkapellen aber auch mit zahlreichen Rasenflächen und Sitzbänken zum Verweilen. Dadurch entstand eine Mischung aus öffentlicher Grünanlage, die eher für die Lebenden als für die Toten konzipiert war.

 

Der planende Kopf dahinter war der gebürtige Kölner Ferdinand Franz Wallraf (1748 - 1824) – Botaniker, Theologe und Mathematiker, vor allem aber bekannt als Stifter der Kunstsammlung, die dem heutigen Wallraf-Richartz-Museum in Köln zugrunde liegt. Sowohl Wallraf als auch Johann Heinrich Richartz (1796 - 1861), Stifter des Museumsbaus, der die Wallraf'sche Sammlung beherbergen sollte, sind auf dem Melaten-Friedhof beigesetzt. Nachdem ihre ursprünglich imposanten Grabanlagen im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, teilen Sie sich nun einen eher schlichten Grabstein.

 

 

Führungen … und Pizza?

 

Mittlerweile werden regelmäßig Führungen über den Friedhof angeboten, was aufgrund der vielen Prominentengräber, der Größe des Areals und der Komplexität der hier sehr verkürzt dargestellten Geschichte des Ortes und der angrenzenden Grundstücke sinnvoll ist. An die bunten Fahrräder populärer  Essens-Lieferdienste, die den Weg über den Friedhof als Abkürzung nehmen, muss ich mich indes erst noch gewöhnen ...

 

Als Ort des Gedenkens, der Ruhe und der Erinnerung an die Menschen Kölns aber auch an die wechselhafte Geschichte der Stadt ist der Melaten-Friedhof einen Besuch wert. Ich werde jedenfalls noch öfter dort zu finden sein.

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Beate Haist (Dienstag, 23 Juli 2019 13:13)

    Du hast recht, erinnert mich auch stark an Rom, hat sehr schön Skulpturen. Sehr schön!!.

  • #2

    M. Hartmann (Mittwoch, 24 Juli 2019 15:36)

    Seit meiner Jugend, faszinieren und interessieren mich Friedhöfe. Sehr schön und anschaulich beschrieben.