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Niemand ist eine Insel / #DHMMeer

Pia Littmann

 

Ein Text für die Blogparade „Was bedeutet das Meer für mich?“ | #DHMMeer des Deutschen Historischen Museums, Berlin

 

Im Großen und Ganzen sind wir alle Menschen am Meer, machen die Kontinente verglichen mit den Wassermassen um uns den doch nur geringeren Teil unserer Planetenoberfläche aus. Dennoch lebt es sich, um dies an einem europäischen Exempel jetzt einmal durchzuspielen, in Luxemburg, Wien oder Kiew, letztere Stadt gleichwohl am Dnepr gelegen, anders als in Jütland zwischen Nord- und Ostsee. Und nochmals anders lebt es sich auf einer Insel.

 

Eine Insel ist eine natürliche Erhebung, die auch bei Flut aus dem Wasser ragt und groß und fruchtbar genug ist, dass Menschen darauf leben und wirtschaften können. Daran knüpft sich ein wichtiges Argument: Anders als der Felsen kann die Insel eine Wirtschaftszone ausbilden, die sich bis zu 200 Seemeilen von der Niedrigwasserlinie entlang der Küste erstreckt. So wurde es 1982 im Seerechts­übereinkommen der Vereinten Nationen festgelegt. Dass dies in der Realität schon für viel Streit gesorgt hat, lässt sich einem unlängst publizierten Interview entnehmen, das den schönen Titel „Wann ist eine Insel eine Insel?“ trägt (http://www.uni-kiel.de/unizeit/index.php?bid=950302).

 

Ziemlich eindeutig eine Insel ist Föhr, gelegen 54° 43′ N, 8° 30′ O. Sie erhebt sich rund sechs Meter über den Meeresspiegel und ist die größte deutsche Insel ohne direkten Kontakt zum Festland, was sie zum Beispiel von Sylt unterscheidet. Auf Föhr gibt es ein Museum, das Museum Kunst der Westküste. Fragt man sich, was die Menschen am Meer so tun und taten, insbesondere jene an den europäischen Westküsten ab dem 19. Jahrhundert, findet man dort viele Antworten – poetischer Natur, wie sie nur ein Kunstmuseum geben kann.

 

 

 

Peder Severin Krøyer, Fischer am Strand von Skagen. Milder Sommerabend“, 1883, 43 x 85 cm, Museum Kunst der Westküste, Foto: Lukas Spörl

 

Denn wie es scheint, erhält vor dem Wasser alles eine gewisse Grundsätzlichkeit und eine besondere Tiefe. Auch ganz materiell, also stofflich gesehen, bedeutet das Wasser für Künstler eine Herausforderung, der sie sich immer wieder aufs Neue – die Bilder von Allart von Everdingen (1621–1675) wären ein frühes Beispiel – angenommen haben: Wie man das glitzernde oder träge schwappernde Wasser, die Brisen, Lüfte oder Kapriolen des Windes und das weite Land am besten  – und dies zumal in ihrem Zusammenspiel! – darzustellen habe.

 

Ein Bild, in dem vieles davon zusammenfällt, ist das Gemälde „Fischer am Strand von Skagen. Milder Sommerabend“ von Peder Severin Krøyer (1851–1909) aus dem Jahr 1883. Krøyer gehörte der Künstlerkolonie der Skagen-Maler an, die sich auf ihrer Suche nach einer neuen, freieren Bildsprache gerne einfachen, möglichst unverstellten Motiven zuwandten. Dazu passend klingt im Titel die harte Arbeit an und zugleich die Erwartung einer emotionalen Tiefe, wie sie an einem milden Sommerabend beizeiten zu erleben ist.

 

Die obere Bildhälfte Wasser, die untere Land, getrennt und doch verbunden durch eine diagonale Linie. In diesem Bild bleibt unser Blick an Land, unwiderstehlich wird er nach rechts oben geführt, wo eine Gruppe Männer Platz genommen, sich geradezu in den Sand geschmiegt hat – ihre Posen verheißen Ruhe und Entspannung nach einem arbeitsreichen Tag. Aber einer steht noch, die Hände in die Hüften gestemmt, blickt er auf das Wasser. Gerade kann letzteres kein Wässerchen trüben – aber er, der Fischer dort am Strand, kennt das ganz sicher auch anders.

 

So wie er dasteht, als Blickpunkt, als kleine, schmale und doch gut erkennbare Silhouette, die Land und Meer vereinigt, die sich von den anderen unterscheidet und doch zu ihnen passt, muss ich an das Zitat des englischen Dichters John Dohne (1572–1631) denken: „Niemand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Festlandes", notierte er. Und weiter: „Wenn eine Scholle ins Meer gespült wird, wird Europa weniger, genauso als wenn’s eine Landzunge wäre, oder ein Landgut deines Freundes oder dein eigenes.“

 

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Tanja Praske (Dienstag, 24 Juli 2018 11:06)

    Liebe Pia,

    hach wie fein! Eine sehr lebendige Bildbeschreibung bei der wir die Insel Föhr und ein Museum kennenlernen. Vielen herzlichen Dank dafür! Ich glaube, nicht nur Peter Soemers liest deinen Beitrag gerne, der auch noch einen Artikel zu #DHMMeer veröffentlichen wird. Mich freut es, dass, nachdem Iris bei #SchlossGenuss mitgemacht hat, du dich für das Meer erwärmen konntest!

    Vielen herzlichen Dank!

    Tanja von KULTUR - MUSEUM - TALK

  • #2

    Peter Soemers (Dienstag, 24 Juli 2018 14:32)

    Hallo Pia,

    Danke schön!

    Tanja hat natürlich recht: bei "Föhr" und "Peder Severin Krøyer" war ich hellwach! Ich war öfters auf Föhr und habe MKDW immer wieder gerne besucht. Ich habe anno dazumal sogar voller Begeisterung die Baugrube des Museums fotografiert. :)

    Bald verbringen wir eine Woche auf Pellworm; hoffentlich schaffen wir einen Tagesausflug nach Föhr!

    Liebe Grüsse,
    Peter Soemers

  • #3

    Pia (Mittwoch, 25 Juli 2018 18:54)

    Hallo Tanja, hallo Peter,

    freut mich, dass Ihr den Beitrag mögt und selbiger schöne Erinnerunngen weckt.Klasse, Bilder von der Baugrube ... Ja, das Museum ist ja noch nicht so sehr alt, feiert nächstes Jahr seinen 10 Geburstag:-)

    Viele Grüße! von Pia